1. Grundlagen zum Notruf
Wichtig: Die 5 W-Fragen (Wo, Was, Wie viele, Welche Verletzungen, Warten auf Rückfragen).
Fall 1: Unfall auf Autobahn
Du siehst einen rauchenden Wagen am Rand.
Warnblinker an, Distanz halten, Weste an, 112 rufen, km-Angabe auf dem kleinen Schild am Rand suchen.
Fall 2: Hausunfall
Opa ist gestürzt. Er blutet leicht, ist aber ansprechbar.
Ruhe bewahren, 112 wählen, Situation schildern, Anweisungen der Leitstelle abwarten.
Fall 3: Fremdsprachiger Notfall
Ein Tourist bricht zusammen, du sprichst seine Sprache nicht.
Trotzdem 112 wählen. Leitstellen haben oft Zugriff auf Dolmetscher oder nutzen standardisierte Abfragen.
Fall 4: Fehlalarm-Angst
Du siehst jemanden im Gebüsch liegen, bist aber unsicher.
Immer anrufen! Ein gut gemeinter Notruf kostet dich nichts, auch wenn es sich als Irrtum herausstellt.
2. Wundversorgung
Fall 1: Starke Blutung am Arm
Das Blut spritzt fast schon.
Druckverband anlegen! Wunde hochhalten, Keimfreie Auflage drauf, mit Druck umwickeln.
Fall 2: Schnittwunde in der Küche
Messer ausgerutscht beim Gemüseschneiden.
Wunde mit Trinkwasser spülen, Desinfizieren, Pflaster oder sterilen Verband anlegen.
Fall 3: Fremdkörper (Scherbe) im Fuß
Jemand ist in Glas getreten, die Scherbe steckt tief.
Nicht entfernen! Fremdkörper fixieren (polstern) und im Krankenhaus entfernen lassen.
Fall 4: Nasenbluten
Kind hat beim Spielen einen Schlag abbekommen.
Kopf nach vorne beugen, kalten Lappen in den Nacken, Nasenflügel zusammendrücken.
3. Knochenbrüche & Gelenke
Fall 1: Verdacht auf Armbruch
Der Arm steht unnatürlich schief nach einem Sturz.
Nicht bewegen! Den Arm in der vorgefundenen Lage belassen und vorsichtig polstern.
Fall 2: Umgeknickter Fuß
Verletzung beim Fußballspielen.
PECH-Regel: Pause, Eis (Kühlen), Compression, Hochlegen.
Fall 3: Offener Bruch
Knochen ragt sichtbar aus der Haut am Unterschenkel.
Keimfrei abdecken, Keinen Druck auf den Knochen ausüben, Notruf 112.
Fall 4: Sturz auf den Rücken
Person klagt über Gefühllosigkeit in den Beinen.
Absolutes Bewegungsverbot! Kopf fixieren, Person beruhigen bis der Notarzt kommt.
4. Verbrennungen
Fall 1: Heißes Wasser über die Hand
Sofort lauwarmes Wasser für max. 2 Min. drüberlaufen lassen (nur Kleinflächen).
Fall 2: Kleidung brennt
Person am Weglaufen hindern. Mit Decke Flammen ersticken oder am Boden wälzen.
Fall 3: Großflächige Verbrennung
Kein Wasser (Unterkühlungsgefahr)! Steril abdecken (Brandwunden-Tuch) und Notruf 112.
Fall 4: Brandblase am Finger
Nicht aufstechen! Infektionsgefahr. Locker abdecken und heilen lassen.
5. Vergiftungen
Fall 1: Reinigungsmittel getrunken
Kein Erbrechen herbeiführen! Reste sichern, Giftnotruf oder 112 wählen.
Fall 2: Gase in der Garage
Nur bei Eigenschutz retten, Person ins Freie bringen, 112 rufen.
Fall 3: Falsche Pilze
Reste der Mahlzeit oder Erbrochenes sichern, sofort ins Krankenhaus.
Fall 4: Tablettenüberdosis
Bewusstsein prüfen. Bei Bewusstlosigkeit: Stabile Seitenlage. Packung für Notarzt suchen.
6. Hitzschlag & Unterkühlung
Fall 1: Hitzschlag
In den Schatten bringen, Oberkörper leicht erhöht, Kopf vorsichtig kühlen.
Fall 2: Eingebrochen im Eis
Nasse Kleidung entfernen, in Decken hüllen (Goldseite nach innen).
Fall 3: Sonnenstich
Dunkler, kühler Raum, viel trinken lassen, Kopf kühlen.
Fall 4: Starke Unterkühlung (Apathie)
Nicht unnötig bewegen (Bergungstod-Gefahr!), nur vorsichtig aufwärmen, 112.
7. Bewusstlosigkeit & Seitenlage
[Image of the recovery position steps]
Fall 1: Krampfanfall
Nicht festhalten! Gegenstände wegräumen. Danach: Stabile Seitenlage.
Fall 2: Alkoholvergiftung
Stabile Seitenlage (Erstickungsschutz), vor Auskühlung schützen, 112.
Fall 3: Atemkontrolle negativ
Sofort mit Reanimation beginnen (Modul 8).
Fall 4: Erbrechen in Rückenlage
Sofort auf die Seite drehen, Mundraum grob reinigen, Atemwege freimachen.
8. Reanimation (CPR)
Fall 1: Einzelhelfer
Erst 112 (Lautsprecher!), dann ohne Unterbrechung drücken (100-120 bpm).
Fall 2: Defibrillator (AED) verfügbar
Gerät einschalten und den Sprachanweisungen strikt folgen.
Fall 3: Ermüdung
Umstehende einbinden. Alle 2 Minuten beim Drücken abwechseln.
Fall 4: Rippenkrachen
Weitermachen! Rippenbrüche sind häufig, aber der Tod ist das größere Risiko.
9. Spezielle Notfälle
Fall 1: Herzinfarkt
Oberkörper hoch lagern, Enge Kleidung öffnen, Ruhe bewahren, 112.
Fall 2: Schlaganfall (FAST-Test)
Lächeln prüfen, Arme heben lassen, Sprechen prüfen. Sofort 112.
Fall 3: Hörsturz
Kein akuter Notruf 112, aber zeitnah zum HNO-Arzt oder 116 117.
Fall 4: Diabetischer Schock
Wenn ansprechbar: Zucker geben. Wenn bewusstlos: Stabile Seitenlage + 112.
10. Kinderkrankheiten
Fall 1: Pseudokrupp
Ruhe bewahren, mit dem Kind an die frische, kalte Luft gehen.
Fall 2: Fieberkrampf
Kind vor Verletzung schützen, danach Fieber senken und Arzt rufen.
Fall 3: Meningitis-Verdacht
Sofort Krankenhaus! Symptome: Hohes Fieber, steifer Nacken.
Fall 4: Magen-Darm Dehydrierung
Auf Schläfrigkeit achten, löffelweise Elektrolyte geben, sonst Klinik.
11. Schockzustände
Fall 1: Bienenstich im Rachen
Eis lutschen, von außen kühlen, sofort Notruf.
Fall 2: Allergischer Schock
Adrenalin-Pen nutzen (falls vorhanden), Beine hoch, Notruf 112.
Fall 3: Starker Blutverlust
Schocklage (Beine hoch), Wärmeerhalt, Zuspruch.
Fall 4: Psychischer Schock
4-S-Regel: Sagen, Sicherstellen, Schützen, Suchen.
12. Rechtliches & Doku
Fall 1: Angst vor Fehlern
Man ist gesetzlich geschützt, solange man nach bestem Wissen hilft.
Fall 2: Verbandkasten abgelaufen
Sterile Teile austauschen, unsterile Binden sind oft länger nutzbar.
Fall 3: Dokumentation
Wichtig für Berufsgenossenschaft: Wer, was, wann, wo?
Fall 4: Unterlassene Hilfeleistung
Nichtstun ist strafbar. Mindestens den Notruf absetzen!